Vielfalt schützen – Vielfalt nützen

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Der Haidegger Sortenerhaltungsgarten in Wagersbach

Thomas Rühmer, Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg

Die Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg ist eines von sieben Referaten der Abteilung 10 des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung, die für die Agenden der Land- und Forstwirtschaft in der Steiermark zuständig ist. Ein wesentliches Aufgabengebiet der Versuchsstation ist die Erhaltung alter Kernobstsorten. Die Arbeiten dazu haben bereits Anfang der 1970er Jahre begonnen.

Der ursprüngliche Grundgedanke dabei war die Erhaltung wertvollen Genmaterials für Züchtungszwecke mit besonderem Augenmerk auf stabile Robustheit, polygene Resistenzen und geschmackvolle Sorten für die Verarbeitung.

Anfang der 1970er Jahre gab der damalige Leiter der Versuchsstation, Ing. Franz Strempfl, den Anstoß zur Gründung der umfangreichen Sortensammlung. Zuerst wurde mit einer Fragebogenaktion bei den steirischen landwirtschaftlichen Fachschulen erhoben, wo interessante Apfel- und Birnensorten stehen. Danach wurde das Material gesammelt, in einer hauseigenen Baumschule vermehrt und auf einer Pachtfläche in Hofstätten bei Gleisdorf ausgepflanzt. Der damalige Obstbaureferent Prof. Herbert Keppel war von Anfang an dabei und viele Jahre bis zu seiner Pensionierung mit dem Aufbau und der Bearbeitung des Sortenerhaltungsgartens betraut.

Ein weiterer Mitstreiter war damals ein Baumwärter aus dem Bezirk Leibnitz, ein gewisser Herr Wuchse, der im extremen Schorfjahr 1972 besonders robuste Apfelsorten in seinem Bezirk sammelte und der Versuchsstation zur Verfügung stellte. Noch heute stehen diese Wuchse-Sorten durchnummeriert im Sortenerhaltungsgarten von Haidegg.

Im Jahr 1988 wurde der gesamte Obstbestand von der Pachtfläche bei Gleisdorf auf die landeseigene Fläche in Wagersbach, Gemeinde Vasoldsberg, übersiedelt. Mit ihren 6,5 ha Ausdehnung ist die ebene Fläche sehr gut geeignet, um die Hochstämme zu pflegen.

Panorama Wagersbach (Foto: Rühmer)

Daraufhin wurde in den Jahren 1991 und 1992 bei weiteren Fragebogenaktionen der Bestand weiter ausgedehnt. Im Jahr 1998 wurde in Hitzendorf (Weststeiermark) ein „Backup“ der alten Sorten angelegt. Die dort gepflanzten Bäume werden gezielt als Edelreiserschnittbäume erhalten und geschnitten, sodass es zu keiner Blütenbildung kommt. Dadurch reduziert man das Risiko eines Feuerbrandbefalls und damit verbunden des Verlusts des sehr wertvollen Pflanzenmaterials.

In den Jahren 1999-2002 wurde gemeinsam mit der Karl-Franzens-Universität Graz ein Projekt zur Bestimmung der alten Apfelsorten abgewickelt. Der älteste Teil des Sortenerhaltungsgartens konnte so mit den damals gültigen Methoden und Standards molekularbiologisch bestimmt werden.

Die letzte Erweiterung des Sortenbestandes fand im Jahr 2002 statt. Dort wurden auch viele alte Birnensorten in das Erhaltungsprogramm aufgenommen. Nach der Pensionierung von Prof. Herbert Keppel habe ich die Erhaltungsarbeit in Haidegg übernehmen dürfen.

In den letzten Jahren ist es gelungen, Edelreisermaterial in Standardqualität für jeden Interessierten verfügbar zu machen. Ab der heurigen Saison werden die Edelreiser einfach über den Haidegger Online-Webshop zu bestellen sein (shop.haidegg.at). Etwa 140 Apfelsorten stehen somit sortenecht zur Verfügung, noch unbestimmte Spezialitäten können weiterhin direkt bei uns bestellt werden.

Sehen Sie hier auch unser Video: https://youtu.be/jjksF7nqzpk

Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter:

thomas.ruehmer@stmk.gv.at

0676/8666 6613

www.haidegg.at

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