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Autor: Redaktion

Austropom

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Streuobst für die nächste Generation

Thomas Rühmer, Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg

Im idyllischen steirischen Murtal liegt der Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen. Und genau dorthin waren Streuobst-Interessierte am Wochenende von 22.-24. Oktober 2021 eingeladen, denn dort fand die erste Austropom unter dem Titel „Zukunft des Streuobstes – the next generation“ statt. Veranstalter war der Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen mit Unterstützung durch Naturparke Steiermark und ARGE Streuobst. Die fachliche Organisation und Betreuung erfolgte durch das Team von OIKOS, Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung.

Der Freitag Nachmittag war der Exkursionstag. Dabei wurden Streuobstwiesen aus dem Projekt STROWI (STReuObstWIese) im Murtal gezeigt. Das Ziel des Projektes war die Erhaltung und Neupflanzung von Streuobstbeständen und alten Obstsorten in der Region.

Am Samstag fand eine Fachtagung mit Referent:innen aus dem In- und Ausland statt. Dabei wurde ein bunter Bogen gespannt von unterschiedlichen Zugängen: Wissenschafter:innen, Forscher:innen, Praktiker und Marketingspezialist:innen kamen zu Wort, dabei wurde der Apfel sogar zum „Gesundheitserreger“ erkoren. Beinahe 30 verschiedene Initiativen zum Thema Streuobst hatten die Möglichkeit, sich im Rahmen eines spannenden Speed-Dating-Formats vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

Umrahmt wurde die ganze Veranstaltung von einer der größten Sortenausstellungen in der Steiermark. Mehr als 600 Apfel- und Birnensorten wurden von Mag. Alois Wilfling und seinem Team von OIKOS zusammengetragen und in der Thomas-Schroll-Halle in Neumarkt ausgestellt. Auch besonders hervorzuheben ist die Wildobstausstellung der Familie Pirc, die ihre Fruchtmuster, die ja zum Teil schon im Mai zu ernten sind, in liebevoller Kleinstarbeit eingefroren hat, um diese bunte Ausstellung der Obstvielfalt zu bereichern.

Sortenausstellungen (Rühmer)

Der Vorstand der ARGE Streuobst nutzte diese Umrahmung, um der langjährigen Obfrau DI Katharina Varadi-Dianat für ihre Arbeit und Verdienste um den Streuobstbau in Österreich zu danken. Sie erhielt als erste die Auszeichnung „Goldener Streuobstbaum“, der in Zukunft an verdiente Persönlichkeiten in der Szene von der ARGE Streuobst vergeben wird.

Verleihung Goldener Streuobstbaum (Rühmer)

Das Abendprogramm gestaltete in humoriger Art und Weise Werner Rannacher vom ORF Steiermark, der aus alter Literatur launige Zitate vortrug und die Mostverkostung vom KühbreinMost gemeinsam mit dem Mostsommelier David Kargl aus der Gaal moderierte.

(Rühmer)

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des öffentlichen Publikums. Zahlreiche Kinder konnten beim Schaupressen dabei sein, ein Schätzspiel mit Verlosung, die gastronomische Verköstigung und nicht zuletzt die musikalische Umrahmung durch die Fuchsbartl-Banda lockten viele Neugierige an diesem spätherbstlichen Sonntag nach Neumarkt in der Steiermark.

ARGE Streuobst Klausur 2021

ARGE Streuobst Klausur 2021

Mit neuem Schwung für eine Zukunft des Streuobstbaues in Österreich

Am 16. und 17. August 2021 fand im Bio-Natur-Ressort Retter im steirischen Pöllauberg die Klausur des erweiterten Vorstandes der ARGE Streuobst statt. Moderiert wurden die beiden arbeitsintensiven Tage von Josef Breinesberger von Agrar Plus (www.agrarplus.at).

Im angenehmen Ambiente des Bio-Natur-Ressorts Retter konnten die Vorstandsmitglieder der ARGE Streuobst zwei Tage die Weiterentwicklung der Vereinsarbeit forcieren.

Nach der Begrüßung durch den Obmann Hans Hartl und einer kurzen Rückschau auf die Aktivitäten des letzten Jahres in den einzelnen Bundesländern wurden die Ziele und aktuellen Arbeitsschwerpunkte in einzelnen Workshops erarbeitet und festgelegt:

  • Strategische Überlegungen zum Aufbau einer österreichweiten Streuobst-Datenbank und pomologische Zielsetzungen (Projektverantwortlicher: Franz Rosner, Start im Herbst 2021)
  • Ausbildung zur Pomologie standardisieren (Projektverantwortlicher: Manfred Putz, Start im März 2022)
  • Erarbeitung von Streuobst-Lehrbehelfen – Print, Internet, Video, Social Media
    (Projektverantwortlicher: Wolfgang Weingerl, Start im September 2021)
  • Obstbau in Stundentafeln der Schulen etablieren (Projektverantwortliche: Marianne Wartbichler, Start im September 2021)
  • Aufbau einer „Streuobst“-Marke (Projektverantwortlicher: Franz Rosner, Start im September 2021)
  • Immaterielles Kulturerbe „Streuobstanbau“ (Vorstandsentscheidung noch ausständig)
  • Bewertung von (alten) Streuobstbäumen (Projektverantwortlicher: Manfred Putz, Start im Jänner 2022)
  • Streuobstsaft im Lebensmitteleinzelhandel (Koordination: Johann Greimel, Start im September 2021)
In Workshops zu den einzelnen Arbeitsschwerpunkten wurden die Eckdaten erhoben und weitere notwendige Vorgehensweisen festgelegt.

Weiters wurden wichtige organisatorische Punkte wie Aktivitäten zum Tag der Streuobstwiese, Gestaltung der Homepage, Mitgliederwerbung, Neuaktivierung der Streuobst-Info sowie andere vereinstechnische Angelegenheiten besprochen.

Alles in allem haben die zwei Klausurtage alle Vorstandsmitglieder motiviert, gemeinsam in Sachen Streuobst noch intensiver weiterzuarbeiten und für die Erhaltung obstgenetischer Ressourcen die ersten Schritte Richtung Zukunft zu setzen.

Streuobst macht Schule. Machen Sie mit!

Streuobst macht Schule. Machen Sie mit!

Gerade das Interesse von Kindern und Jugendlichen für Natur und Streuobst soll in Zukunft noch stärker geweckt werden. Die jugendliche Neugier und das Wissen, das alle unsere Mitglieder in Sachen Streuobst mitbringen, wollen wir noch stärker verknüpfen. Es ist so wichtig, gerade die jungen Leute rechtzeitig mit dem Thema vertraut zu machen und nichts schmeckt besser als ein selbst gepresster Apfelsaft von der Streuobstwiese.

Schon die Kleinsten sind fasziniert, was da Leckeres aus den Äpfeln der Streuobstweise entsteht. Nichts schmeckt besser!

Wir bieten auf der ARGE Streuobst Website in einem eigenen Reiter unter „Schulen“ eine Informationsplattform, wo sich DirektorInnen und Lehrpersonen in den einzelnen Bundesländern Kontakte aussuchen können, die Führungen und Veranstaltungen anbieten. Außerdem ist geplant, einen Flyer zusammenzustellen, der an Schulen verschickt werden soll, um über die breite Palette des Angebotes zum Thema Streuobst in Österreich zu informieren. Das Thema kann so noch stärker und anschaulicher in den naturkundlichen Unterricht eingebaut werden.

Bitte schreiben Sie uns an info@argestreuobst.at, wenn Sie solche Führungen oder Veranstaltungen auf Ihrem Betrieb anbieten oder jemanden kennen. Schicken Sie uns einfach Ihre Kontaktdaten und eine kurze Beschreibung der Möglichkeiten, die Sie vor Ort zur Verfügung haben. Es würde uns freuen, wenn wir wieder mehr Kinder und Jugendliche zum Streuobstgenuss hinführen können.

Ein paar erste Beispiele sind bereits auf der ARGE Streuobst Homepage angeführt.

Obstsortengarten Ohlsdorf (OSOGO)

Obstsortengarten Ohlsdorf (OSOGO)

In diesem und den nächsten ARGE Streuobst Newslettern möchten wir Obstsortenerhaltungsgärten in Österreich vorstellen. Den Beginn machen wir mit dem „Obstsortengarten Ohlsdorf (OSOGO)“ von Gabi und Klaus Strasser.

Auf einer Fläche von ca. 12.000 m² umfasst der frei zugängliche Obst-, Lehr-, Schau- und Erhaltungsgarten eine Sammlung von aktuell rund 3.000 verschiedenen Obstsorten! Damit ist der OSOGO der sortenreichste Schaugarten in Europa. Der Großteil sind Apfelsorten (2.000), im Garten sind aber auch viele Birnen-, Kirschen-, Zwetschken- und Marillensorten sowie Wildobstgehölze, Beerenobst und in Österreich weniger verbreitete Obstsorten wie Kiwi, Kaki oder Maulbeere ausgepflanzt. Vor ein paar Jahren erweiterten die Strassers ihren Sortengarten um eine nationale Walnuss-Sortensammlung mit Reiserschnittgarten (150 Sorten). Sämtliche Sorten sind per QR-Code am Baum und in einer Datenbank erfasst.

OSOGO

Ursprünglich diente die Anlage „als privater pomologischer Lerngarten“. Aufgrund des steigenden Interesses der Allgemeinheit an „alten Obstsorten“ und an „Biodiversität“ wurde der OSOGO im Jahr 2017 um ein Besucherzentrum erweitert und für interessiertes Publikum öffentlich zugänglich gemacht. Um den BesucherInnen eine möglichst objektive Einschätzung der Anfälligkeit auf Krankheiten und Schädlinge zu ermöglichen, wird auf eine Behandlung der Bäume mit Spritzmitteln vollkommen verzichtet. Das betrifft sowohl chemisch-synthetische also auch biologische Mittel. Die BesucherInnen können die vorhandenen Sorten direkt vor Ort verkosten, um die geschmacklichen Unterschiede unserer Obstvielfalt genießen zu können und bevorzugte Lieblingssorten für den eigenen Garten zu finden.

OSOGO

Neben der Bewusstseinsbildung dient die Sammlung insbesondere der Weitergabe und (Wieder)-Verbreitung alter Obstsorten in Form von Edelreisern oder Stecklingen. Zudem arbeitet der OSOGO an diversen nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit (Mykorrhiza, VINQUEST).

Der Obstsortengarten Ohlsdorf wird als gemeinnütziger Verein geführt. Der Garten ist durchwegs aus privaten Mitteln finanziert und wurde mit unglaublich viel Engagement und persönlichem Einsatz von Gabi und Klaus Strasser in den letzten Jahren aufgebaut.

OSOGO

OSOGO

OSOGO, Obstsortengarten Ohlsdorf

Gabi und Klaus Strasser
Holzhäuseln 19, A-4694 Ohlsdorf
e-mail: osogo@gmx.at
www.osogo.at

Pflanzung von Obstbäumen im Herbst

Pflanzung von Obstbäumen im Herbst

(Text u. Fotos: Wolfgang Weingerl, Fachverein Steirische Obstbaumwarte)

Für die Pflanzung von Obstbäumen im Herbst spricht die Tatsache, dass der Wurzelbereich des Baumes bis zur Bodentemperatur um den Gefrierpunkt weiterhin aktiv ist, dabei viel feines Haarwurzelwerk entwickelt und dadurch mit seiner frühzeitigen Einbindung in den Boden einen Wachstumsvorsprung für das kommende Frühjahr erhält. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Triebabschluss der Zweige vollständig erfolgt ist und das Laub abgefallen ist. Das schließt die Edelkastanie und die Maulbeere mit ihrem späten Laubfall für die Herbstpflanzung aus, aber sogar der Pfirsichbaum kann entgegen der früher geübten Ansicht des besseren Pflanztermins im Frühjahr durchaus Ende Oktober gepflanzt werden.

Wolfgang Weingerl

Ein paar Dinge gibt es dennoch zu bedenken:

Wasserversorgung

Gilt der Winter als Zeit mit ausreichender Bodenfeuchte, stimmt das mitunter auch nicht mehr. In Zeiten von Wintertrockenheit muss für ausreichendes Einwurzeln des frisch gesetzten Baums sowohl im Winter als auch im Frühjahr ausreichend gegossen werden, da sich die Wurzeln nicht in den Mutterboden einwachsen können.

Vorbehandlung von Containerware

In etwa 95% der Bäume werden als Containerware geliefert, die bei näherer Betrachtung auch Maßnahmen erfordern: Wenn die feinen Wurzeln bereits an der Außenseite des Ballens sichtbar sind oder sogar beginnen, „im Kreis“ zu wachsen, ist ein konsequentes Aufreißen des Ballens notwendig, um die Pflanze zum Wurzelwachstum anzuregen und damit das Einwurzeln zu fördern. Im Prinzip handelt es sich bei dieser gewalttätig anmutenden Maßnahme um einen Wurzelschnitt, wie er auch bei wurzelnacktem Pflanzmaterial durchgeführt wird.

Wichtig ist es bei Containerpflanzen auch, den Ballen nicht zu hoch zu setzen, da dadurch die Verbindung zwischen Containersubstrat und Mutterboden verzögert wird. In dem Fall würde der Wurzelkörper in seiner Anfangsphase seine Nährstoffe nur aus dem Ballen holen und sich zudem schneller erwärmen. Daraus folgend würde der Ballen während des Winters leicht austrocknen, durch den Winterfrost leichter Schaden nehmen und im Frühjahr leichter einer Fäulnis im Wurzelbereich zum Opfer fallen.

Wühlmausschutz 

Wolfgang Weingerl

Ohne Wühlmausgitter fällt in vielen Lagen der frisch gesetzte Baum noch im gleichen Winter der Wühlmaus zum Opfer, die auch einen 10 Jahre alten Baum im Wurzelbereich entrinden und zum Absterben bringen kann. Ob vorgerichtete Gitterflecke oder aus Rollen von Hasenstallgitter, wichtig ist auch der mausdichte Verschluss an der Oberseite des Ballens. Zusätzlich ist die rechtzeitige Bekämpfung mit Fallen vor den ersten Vermehrungswellen im kommenden Frühjahr für das erfolgreiche Anlegen von Obstkulturen gut, einige Ortsvereine bieten dazu Wühlmausfangkurse und den gemeinsamen Erwerb von Fallen an.

Erziehung

Mit der Pflanzung fängt die Partnerschaft mit dem Obstbaum erst richtig an. Um dem Baum eine Kronenform zu geben, die ihm ein langes ertragreiches Leben ermöglicht, ist der Schnitt und die Formierung der jugendlichen Krone unbedingt notwendig. Gerade bei den immer wieder organisierten Baumausgabeaktionen zur Förderung der Streuobstbestände ist diese weitere Maßnahme unerlässlich. Dazu gibt es im zeitigen Frühjahr zahlreiche Schnittkurse, in denen diese Tätigkeiten einfach zu erlernen sind. Dort gibt es auch viele weitere Tipps, damit der Baum kräftig anwächst und reiche Frucht bringt!

Wer zahlt wie viel fürs Mostobst? Preisvergleich beim Streuobst.

Wer zahlt wie viel fürs Mostobst? Preisvergleich beim Streuobst.

Sechs, zwölf, 25 Euro/dt: Wer zahlt wie viel für das wertvolle Obst aus Streuobstbeständen? Diese Frage beantwortet ab dieser Obstsaison der neue „Streuobstbarometer“.

Zusammen mit der ARGE Streuobst und der Ökoland-Vertriebs GmbH macht Hochstamm Deutschland e.V. nun die Erzeugerpreise fürs Mostobst transparent.

Milchbauern kennen ihn: den Preisvergleich ihrer Molkereien. Bei vielen landwirtschaftlichen Produkten – Kartoffel, Getreide, Fleisch – gibt es regelmäßige Veröffentlichungen zu den Preisen, die Abnehmer ihren Erzeugern ausbezahlen. Solch ein Vergleich der Erzeugerpreise fehlt bisher beim Mostobst. Der „Streuobstbarometer“ – eine Initiative von Hochstamm Deutschland e.V., dem österreichischen Netzwerk ARGE Streuobst und der Ökoland-Vertriebs GmbH Österreich – schafft Abhilfe.

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AUSTRO POM 2021

AUSTRO POM 2021

22. Oktober 2021 – 24. Oktober 2021

„ZUKUNFT des STREUOBSTES – the next generation Chancen & Vorteile des hochstämmigen Obstbaues in der Biodiversitäts- & Klimakrise“

Streuobstausstellung “Hirschbirne trifft Schafnase” in Graz, Foto OIKOS

Der Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen lädt im Rahmen des Projekts „Streuobstwiese (STROWI)“ zu einer 3-tägigen Veranstaltung rund um das Thema Streuobst und alte Obstsorten.

An drei Tagen werden Schlüsselfaktoren für gesunde Streuobstwiesen beleuchtet, erfolgreiche Streuobstinitiativen vorgestellt und der österreichischen Streuobst-Community viel Zeit und Raum zu Austausch und Vernetzung geboten. Die Veranstaltungsreihe findet seinen Ausklang in einem großen Fest mit einer Ausstellung alter Streuobst- und Wildobstsorten, einem Spezialitäten-Markt und einem bunten, vielfältigem Rahmenprogramm. Der Eintritt am 3. Tag ist kostenfrei und für alle zugänglich, für die Tagung und die Exkursion an den Vortagen ist eine Anmeldung erforderlich.

Kurzübersicht des Programms:
Tag 1Exkursion zu zwei Streuobstwiesen im Naturpark (Fr. 22.10.2021, 14:00 – 19:00)
Tag 2Fachtagung & Tag der Initiativen (Sa. 23.10.2021, 09:00 – 17:00, anschließend Abendprogramm)
Tag 3: „Streuobstfest für ALLE“ (So. 24.10.2021, 09:00 – 16:30)

Eine Detailübersicht des Programms und weitere Informationen finden Sie im Programmfolder: (PDF-DOWNLOAD: 1,0 MB)

Fachliche & Organisatorische Betreuung: OIKOS – Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung
In Kooperation mit ARGE Streuobst und NATURPARKE STEIERMARK

Ort: Neumarkt in der Steiermark

Treffpunkt: Thomas Schroll-Halle, Europaplatz 1, 8820 Neumarkt i. d. Stmk.

Beginn: 22.10.2021 – 14:00
Ende: 24.10.2021 – 16:30

300 Obstsorten

300 Obstsorten

Ein Streifzug durch die oberösterreichische Obstbaumvielfalt

Die neue Pomologie von Siegfried Bernkopf ist gerade erschienen.

Foto: Verlag Trauner

Siegfried Bernkopf beschreibt darin die wichtigsten 300 Obstsorten der oberösterreichischen Obstbaumvielfalt.

Von einer Übersicht zur Bestimmung von Fruchtmerkmalen bis zu umfangreichen Fruchtportraits mit aussagekräftigen Fotos aus verschiedenen Perspektiven bietet das Buch alles was ein PomologInnenherz höher schlagen lässt. Ein großes Plus sind die Informationen zu Wuchsstärke, Kronenform, Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen, Frosttoleranz sowie Ernte- und Genussreife.

Das Buch “300 Obstsorten” ist daher nicht nur für PomologInnen interessant sondern bietet auch die Möglichkeit sich ausführlich mit heimischen Obstsorten zu beschäftigen bevor es ans Pflanzen geht.

Das Buch ist direkt über den Verlag Trauner bestellbar:
Buchbestellung

Foto: Verlag Trauner

Die Streuobstwiese

Die Streuobstwiese

Prachtvoll blühende Obstbäume, aus deren mächtigen Kronen das Summen der Bienen und munteres Vogelgezwitscher klingt, bunte Blumenwiesen und saftig-süße Früchte – Streuobstwiesen sind einfach paradiesisch.

Seit Jahrhunderten gehören Streuobstwiesen und Obstbaumalleen als traditionelle Form des Obstanbaus zum typischen Bild unserer bäuerlichen Kulturlandschaft. Als breiter Grüngürtel umgeben sie Bauernhöfe und Ortschaften, in der Feldflur sowie entlang von Wegen und Straßen gliedern und verschönern sie die Landschaft.

Was sind Streuobstwiesen?

Auf Streuobstwiesen stehen großkronige Obstbäume unterschiedlichen Alters und Größe locker und oft wie zufällig verstreut. Bunt gemischt gedeihen hier Apfel- und Birnbäume neben Kirschen-, Zwetschken-, Walnuss-, Quitten- und Mispelbäumen, jeweils in regionaltypischen Sorten.

Hot Spot der Biologischen Vielfalt

Mit mehr als 5.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, die hier eine Heimat finden können, zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Vor allem das reiche Nahrungsangebot (Blüten, Blätter, Gräser, Kräuter oder Früchte) lockt die verschiedensten Tiere wie Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten in die Streuobstwiese. Das üppige Vorkommen von Kleinlebewesen ist Lebensgrundlage für viele Vogelarten wie Grünspecht, Star und Wendehals. Auch Hermelin, Igel, Feldhase und andere Säugetiere sind hier zu Hause. Die Baumhöhlen alter Obstbäume sind Brutplatz für Steinkauz, Gartenrotschwanz und Wiedehopf – wenn sie nicht schon von Hornissen, der Bechstein-Fledermaus oder dem Siebenschläfer besetzt sind.

Welche Funktion erfüllen Streuobstwiesen?

Neben der ökologischen Funktion als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, erfüllen Streuobstwiesen weitere wichtige Aufgaben:

  • Streuobstwiesen gliedern die Kulturlandschaft, prägen und verschönern das Landschaftsbild und machen es zu einem Ort der Ruhe und Erholung.
  • Sie bremsen den Wind und wirken ausgleichend auf das Klima. Ihre Wurzeln verhindern die Bodenerosion und sind nützlich bei Feldern in Hanglage.
  • Der Unterwuchs vermindert die Auswaschung von Nährstoffen in tiefere Bodenschichten und damit helfen sie beim Grundwasserschutz.
  • Durch die Vielfalt an Obstsorten, sind sie Informationsträger für die Nutzpflanzenzucht (in Österreich gibt es etwa 400 bis 500 Apfelsorten und mehr als 100 Birnensorten)
  • Sie liefern gesundes, vitaminreiches Obst für den Menschen und Futter für Haustiere. Außerdem kann man aus geerntetem Obst geschmackvolle Produkte herstellen.  

Wie werden Streuobstwiesen genutzt?

Die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen ist durch den hohen Aufwand bei Pflege und Ernte oft sehr zeit- und arbeitsintensiv. Es muss zuerst darauf geachtet werden, dass die Bäume beim Mähen der Wiese keinen Schaden nehmen. Dazu kommt, dass die oft steilen Hänge oder der unregelmäßige Bewuchs den Einsatz moderner Erntemaschinen erschweren. Obwohl es durch den Einsatz von Obstsammelmaschinen leichter geworden ist, muss das meiste Obst händisch geklaubt werden. 
Aber die Mühe lohnt sich alle Mal! Das geerntete und gesammelte Obst kann auf vielfältige Weise genützt werden: als Tafelobst, zur Herstellung von Saft, Most und Schnaps, Marmelade, Mus oder Kompott, als auch Dörrobst.   

Warum sind Streuobstwiesen gefährdet?

Durch geänderte Anbaumethoden, vor allem aber durch Billigimporte von Obst für die Fruchtsafterzeugung aus dem Ausland sowie durch die hohe Arbeitsintensität im Streuobstwiesenanbau ist dieser Lebensraum bei uns heute stark gefährdet. Viele Obstbäume mussten dem Siedlungsdruck oder Verkehrswegen weichen. Ebenso gilt der Umbruch in Ackerland oder der Übergang zur Intensivwiesennutzung als Grund für den Rückgang dieser Landschaftsform. Zwischen 1965 und 2000 gingen die Streuobstflächen in Mitteleuropa schätzungsweise um 70% zurück! In den letzten Jahren konnte der Rückgang durch Fördermaßnahmen verringert werden.  

Wie kann ich Streuobstwiesen schützen und erhalten?

Jeder kann persönlich zur Erhaltung des „Lebensraums Streuobstwiese“ einen Teil beitragen:

  • Alte, höhlenreiche Obstbäume erhalten
  • Dürre Äste sowie Alt- und Totholz an Bäumen belassen
  • Streuobstwiesen neu anlegen
  • Regionaltypisch Obstbaumsorten pflanzen
  • Regionale Streuobst-Produkte kaufen  

Weiterführende Links: 

http://www.naju-wiki.de/index.php/Streuobstwiese

Der Artikel wurde uns dankenswerterweise vom Naturpark Obsthügelland zur Verfügung gestellt. https://obsthuegelland.at/

Tag der Streuobstwiese

Tag der Streuobstwiese

Internationaler „Tag der Streuobstwiese“ am 30. April 2021

Auf Initiative der ARGE Streuobst und des Umweltdachverbandes wird am Freitag 30. April europaweit der erste „Tag der Streuobstwiese“ stattfinden. Damit soll die Bedeutung der Streuobstwiesen für die Tier- und Pflanzenwelt und die Gesellschaft in ganz Europa hervorgehoben werden.

In Zukunft wird der „Tag der Streuobstwiese“ jeweils am letzten Freitag im April seinen Platz im Kalender finden. Um diese Jahreszeit stehen in vielen Regionen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz sowie unter anderem auch in der Bretagne, der Normandie, in Luxemburg und in Slowenien die Streuobstbäume in Blüte. Europaweit werden Streuobst-Initiativen, ObstverarbeiterInnen, Naturschutzorganisationen, Schulen und Tourismusregionen diesen Tag nutzen, um auf die Streuobstwiesen als Ort der Biodiversität, der Obstvielfalt, der Erwerbsgrundlage, des Genusses und der Erholung und als wichtiger Teil der Kulturlandschaft aufmerksam zu machen.

Streuobstwiesen sind „Hot Spots“ der biologischen Vielfalt

Mit über 5.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Nach Schätzungen gibt es allein in Österreich mehr als 3.000 verschiedene Obstsorten. Diese Vielfalt ist nur mehr auf den traditionellen Streuobstwiesen zu finden. In Deutschland wurden Streuobstwiesen kürzlich in die Liste des „Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.

Schützen durch Nützen

Streuobstbestände sind als Teil der Kulturlandschaft vom Menschen geschaffen und ihr Weiterbestand ist nur gesichert, wenn sie gepflegt und bewirtschaftet werden. Der Streuobstbau ist nachhaltig, klima- und ressourcenschonend und erbringt viele Leistungen für die Allgemeinheit: Er ist landschafts- und ortsbildprägend, identitätsstiftend, schafft und erhält Lebensräume für Pflanzen- und Tiere und dient der Erholung und dem Tourismus. Der Streuobstbau ist wesentlich für die Erhaltung der Biodiversität und der Sortenvielfalt im Obstbau. Die Produktion von Obst und die Nutzung der Wiese dienen sowohl als Einkommensquelle als auch der Selbstversorgung. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist ein Gleichgewicht zwischen Ökologie, sozialer Gerechtigkeit und Ökonomie anzustreben. Die Erhaltung und Bewirtschaftung der Streuobstbestände sollen daher auch ein entsprechendes Einkommen ermöglichen.

Streuobstwiesen sind akut gefährdet

Vor 1960 gab es in Österreich noch ca. 35 Mio. großkronige Obstbäume in der Landschaft. Heute sind nur mehr ca. 4,5 Mio. Bäume vorhanden und der Rückgang hält an. Die Streuobstbäume sind oft überaltert, in einem schlechten Zustand, wenig gepflegt und es fehlt an Nachpflanzungen, die den Streuobstbau langfristig sichern. Mit dem Rückgang der Obstbäume ist ein enormer Verlust an Lebensräumen und an Vielfalt in der Kulturlandschaft einhergegangen. Für eine Trendumkehr ist es hoch an der Zeit!

cc-by-sa-3.0-de allwiki@ulrich-tichy.de

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